Ernas Lied (Hörbuch zum Entspannen & Einkuscheln)
Shownotes
In einer alten dunkelblauen Mappe liegen vergilbte, handgeschriebene Noten. Auf der ersten Seite steht: Septemberlicht, September 1983. Und Ernas Name.
🎧 Dies ist die Hörbuch-Version von „Ernas Lied", nur die Geschichte ohne Meditation, wie ein kleines Hörbuch zum Einschlafen.
Du möchtest einen wundervollen Abschluss für Deinen Tag? Die Vollversion mit Abendroutine und Geschichte gibt es ab 19 Uhr am selben Sonntag: 269 Ernas Lied
Was in der Geschichte passiert:
Ende September in einem kleinen Ort am Meer. Die Tage sind noch mild, das Wasser glänzt golden, und über den moosgrünen Dünen liegt schon die erste Ahnung vom Herbst. Direkt hinter der Promenade führt Erna, eine lebensfrohe Frau Mitte sechzig, ein kleines Strandcafé. Seit dem Sommer hilft ihr die junge Ilsa, und aus ein paar geplanten Wochen ist längst eine Freundschaft geworden.
Jeden Spätsommer spielt vor der alten Orangerie ein kleines Orchester, und ein Stück gehört immer dazu: „Septemberlicht", das berühmteste Werk des Komponisten Gabriel Moreau. Nur Erna geht nie zu diesen Konzerten.
Als Moreau überraschend stirbt, soll ihm das letzte Konzert der Saison gewidmet werden. Erna reagiert still und zurückhaltend. Und dann findet Ilsa beim Aufräumen der Buchhaltung die dunkelblaue Mappe.
Eine Geschichte über Freundschaft zwischen Generationen, über Musik, späte Gerechtigkeit und die Frage, ob etwas, das wir vor langer Zeit aufgegeben haben, wieder zu uns zurückfinden kann.
Eine eigene Geschichte von Alexandra Matthes, extra für meine Hörerinnen und Hörer geschrieben.
Die Geschichte wird von sanften Klängen und Musik begleitet.
Wie immer wird zum Schluss alles gut. ✨
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***
Text, Sprecherin & Schnitt: Alexandra Matthes
Musikalische Untermalung & Mastering: Haegar Deutsch, www.haegar.live
www.diemaerchentante.de
Copyright Alexandra Matthes 2026
Transkript anzeigen
00:00:02: Ernas Lied, eine Geschichte von Alexandre Mattes.
00:00:15: Es war Ende September und der Sommer schien dieses Jahr beschlossen zu haben noch ein wenig zu bleiben.
00:00:26: Die Tage waren mild über dem Meer hingen morgens manchmal nach Wolken die sich gegen Mittag auflösten Und wenn am Nachmittag die Sonne herauskam tauchte diese alles in einen ganz besonderen Glanz, Gold auf dem Wasser.
00:00:56: Die Dünen, Moosgrün und darüber das dunkle samtige Blau des Himmels.
00:01:16: Direkt hinter der Prominade dort wo der Weg zum Strand hinunterführte stand Erners kleines Café.
00:01:28: Es war kein besonders schickes Café.
00:01:32: die Tische und Stühle Passten nicht zusammen.
00:01:36: Die dunkelgrüne Farbe an den Fensterrahmen blätterte an einigen Stellen ab und wenn der Wind vom Meer herüber kam, musste Erna die Speisekarten mit Steinen beschweren damit sie nicht davon geblasen wurden.
00:01:56: aber der Café war gut Der Kuchen meist sogar noch besser Und man konnte von Ernas Café aus das Meer sehen und die Wellen rauschen hören.
00:02:16: Ilsa arbeitete seit Anfang des Sommers bei Erna, eigentlich hatte sie nur ein paar Wochen bleiben wollen.
00:02:28: Erna war froh um ihre Hilfe.
00:02:34: am späten Nachmittag wenn im Café nicht mehr viel losbar saßen die beiden manchmal vor der Tür tranken Kräuter Tee und sah an den Möwen zu.
00:02:52: Manchmal hörten sie die Musik von der Promenade.
00:02:59: Jedes Jahr kamen im Spätsommer etliche Musiker in den kleinen Ort.
00:03:06: Einige waren in der Gegend aufgewachsen, andere reisten eigens für diese Woche von weit weg an.
00:03:17: Gemeinsam bildeten sie ein kleines Orchester und spielten an den Wochenenden unter dem Pavillon vor der Orangerie – Inzwischen aber etwas verfallenen großen Halle, die am Rande der Promenade stand.
00:03:40: Diese Konzerte waren längst zu einer Tradition geworden.
00:03:47: Menschen kamen von weit her um an diesen wilden Septemberabenden auf der Prominade zu sitzen, während hinter dem Orchester langsam die Sonne im Meer versankt.
00:04:00: – nur Erner ging nie hin!
00:04:10: Magst du keine Musik?
00:04:13: hatte Ilsa sie einmal gefragt.
00:04:17: Erne hat ihre Tasse abgestellt, doch!
00:04:22: hatte sie geantwortet mehr nicht.
00:04:30: das berühmteste Stück dass das Orchester jedes Jahr am Ende der Konzerte spielte hieß September Licht.
00:04:40: jeder kannte es.
00:04:43: Es war vor vielen Jahrzehnten von Gabrielle Moreau geschrieben worden einem der berühmtesten Dirigenten und Komponisten seiner Zeit.
00:04:55: Moro hatte als junger Mann einige Jahre hier am Meer verbracht, später hatte er in Paris London Wien & New York dirigiert.
00:05:13: Septemberlicht hatte ihn berühmt gemacht.
00:05:20: das Stück begann ganz leise mit den Streichern eine Flöte die zu fliegen schien leicht und frei, eine einfache Melodie.
00:05:45: Nur wenige Töne zunächst die sich langsam erhoben bis schließlich das ganze Orchester einsetzte.
00:06:03: Ilsal liebte dieses Stück Erna offenbar nicht immer.
00:06:13: wenn die ersten Tönen davon von der Promenade herüber wehten fand sie plötzlich etwas im Kaffee zu tun.
00:06:25: An einem Dienstagmorgen kam die Nachricht, dass Gabriel Moreau der berühmte Musiker gestorben war.
00:06:38: Die Nachricht war in aller Munde!
00:06:42: Es wurde bekannt gegeben, das das letzte Konzert der Saison ihm gewidmet werden sollte und natürlich sollte zum Abschluss September-Licht gespielt werden.
00:07:01: Ilsa erzählte Erna davon.
00:07:07: Erna stand hinter dem Dresen und schnitt einen Apfelkuchen an.
00:07:15: Das Messer blieb für einen Augenblick mitten im Kuchen stecken, dann schnitz sie weiter.
00:07:27: «Schön!« sagte sie.
00:07:35: ein paar Tage später saßen Erna und Ilsa nach Feierabend über der Abrechnung.
00:07:43: Erna hasste Buchhaltung.
00:07:46: Ilsa konnte nicht behaupten, dass sie Buchhaltungen liebte Aber sie konnte wenigstens besser mit dem Computer umgehen.
00:07:58: Im Schränkchen müssten noch die Rechnungen vom August liegen, sagte Erna.
00:08:08: Ilsa öffnete die unterste Schublade.
00:08:13: Hier kamen alte Briefe, Postkarten zwei einzelne Ohrringe und eine kleine Blechdose voller Knöpfe zutage.
00:08:28: in der obersten Schublada rief Erna aus dem Nebenraum.
00:08:37: Ilsa war so versunken in den alten Schätzen, dass sie Erna nicht hörte.
00:08:46: Ganz unten lag eine dunkelblaue Mappe – Sie zog sie heraus!
00:08:56: In diesem Moment kam Erna herein.
00:09:01: Was ist das?
00:09:03: fragte Ilsa.
00:09:06: Nichts rief Erna schnell.
00:09:11: Ilsa wollte die Mappe zurücklegen als ein Blatt herausrutschte Es war Notenpapier schon leicht vergilbt und vollständig mit einer feinen Handschrift beschrieben.
00:09:30: Oben auf der ersten Seite stand Septemberlicht, darunter Erna.
00:09:40: September, nineteenhundertdreiundachtzig.
00:09:47: Ilsa sah Erna an.
00:09:51: Erna sah auf das Blatt.
00:09:56: Draußen rauschte das Meer!
00:10:03: Du hast es geschrieben.
00:10:07: Erna setzte sich, eine ganze Weile sagte sie nichts.
00:10:14: Dann begann sie zu erzählen.
00:10:19: Damals war sie zweiundzwanzig gewesen und hatte Flöte gespielt.
00:10:26: Jeden Sommer hat es sie mit anderen jungen Musikern auf der Promenade musiziert – und dort hatte sie Gabriel kennengelernt!
00:10:40: Er war sehr ärgerlich gewesen dabei charmant und voller Pläne.
00:10:48: Erna hingegen hatte nie davon geträumt, berühmt zu werden.
00:10:55: Aber sie komponierte – in jenem September hatte sie das Stück geschrieben über das Meer, über die letzten warmen Tage des Jahres und über dieses goldene Licht, dass abends auf dem Wasser lag.
00:11:19: Sie hat es Gabriel gezeigt, er hat es abfotografiert.
00:11:25: als Erinnerung an mich sagte Erna.
00:11:33: Ein Jahr später wurde Septemberlicht in Paris Uhr aufgeführt und als Komponist, wurde Gabrielle Moreau genannt.
00:11:48: Ilsa starte sie an.
00:11:51: Und du hast nichts gesagt?
00:11:56: Erna lächelte traurig.
00:12:00: Am Anfang war ich wie geschockt – und dann habe ich versucht es zu vergessen!
00:12:09: Gabrielle moreau wurde damals innerhalb kürzester Zeit berühmt Und Erna war nur eine junge unbedeutende Flötestin aus einem kleinen Ort am Meer.
00:12:25: Sie hatte später das Café ihrer Eltern übernommen, hatte geheiratet und sich wieder scheiden lassen.
00:12:35: Im Sommer hatte sie Besuch von Menschen aus der ganzen Welt – im Winter, wenn die Saison vorbei war, machte sie sich selbst auf Reisen!
00:12:49: Sie hatte einen erstaunlich großen Freundes und Bekanntenkreis, und war jetzt mit Mitte sechzig immer noch eine sehr attraktive und lebensfreudige Frau.
00:13:04: Sie liebte ihr Leben genau so wie es war – nur ihre Flöte hatte sie seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit gespielt.
00:13:20: Warum?
00:13:22: fragte Ilsa.
00:13:26: Erna sah zum Fenster hinaus.
00:13:31: War dich jedes Mal wenn ich die Flöte in die Hand genommen habe, an ihn gedacht
00:13:37: habe.".
00:13:41: Ilsa schwieg.
00:13:45: Dann sagte sie, das ist ziemlich viel was du ihm überlassen hast.
00:13:59: drei Tage später kam ein Brief.
00:14:04: er stammte von einem Notar.
00:14:08: Gabriel Moreau hatte Erna in seinem Testament bedacht.
00:14:15: zunächst wollte sie den Brief ungeöffnet wegwerfen Doch Ilsa fischte ihn aus dem Papierkorb, strich ihm glatt und legte ihn auf den Küchentisch.
00:14:28: Du musst sie nicht heute lesen", sagte sie.
00:14:35: Am nächsten Morgen lag der Umschlag dann geöffnet auf dem Tisch.
00:14:42: Moro hatte ein Geständnis hinterlassen.
00:14:48: Septemberlicht war nicht sein Werk – es war ernaß!
00:14:56: Er schrieb, das ist keinen guten Grund für sein Schweigen gebe.
00:15:01: Nur Feigheit!
00:15:04: Je berühmter das Stück geworden sei, desto schwieriger sei es ihm erschienen die Wahrheit zu sagen.
00:15:12: Er wollte es tun – immer wieder.
00:15:16: Doch immer wieder schämte er sich so sehr, dass er darüber schwieg.
00:15:24: Er fühlte sich seit jenen Tagen wie ein Verbrecher in der Erwartung jeden Moment enttarnt und verhaftet zu werden.
00:15:35: Es passierte einfach nicht.
00:15:40: Er bat Erna um Verzeihung.
00:15:45: Sein letzter Wille war, dass die Urheberschaft öffentlich richtig gestellt werden sollte und er hinterließ Erna sein Vermögen und die Rechte an September licht.
00:16:07: Las dem Brief nochmal – dann faltete sie ihn zusammen!
00:16:19: Ich weiß nicht was ich sagen soll….
00:16:23: …ich denke das Richtige zu sagen….
00:16:27: Ist wohl weder meine, noch weiß die Stärke von Gabriel.
00:16:31: Ilsa nickte.
00:16:40: Dann stand Erna auf und ging nach oben.
00:16:47: Als sie zurückkam, trug sie einen länglichen schwarzen Kasten.
00:16:54: Sie legte ihn auf den Tisch.
00:16:57: Darin lag eine Flöte.
00:17:03: Oh!
00:17:04: sagte Ilsa.
00:17:08: Erna nahm sie heraus – ihre Finger zitterten ein wenig.
00:17:14: Sie setzte die Flöte an die Lippen.
00:17:20: Der erste Ton war schief, Ilser sagte nichts – der zweite war besser und beim dritten musste Erna plötzlich lachen.
00:17:40: Am Abend des letzten Konzertes war die Promenade voller Menschen.
00:17:47: Der Himmel war klar!
00:17:49: Das Meer beinahe glatt.
00:17:53: Über den Dünen lag bereits der Geruch des Herbstes.
00:17:59: Auf den Stühlen vor dem Musikpavilion saßen Menschen in Jacken und Mänteln.
00:18:06: Einige hatten Decken über den Knien, dann hat der Dirigent vor das Orchester.
00:18:16: Er erzählte von Gabriel Moreau – und schließlich erzählste er von Erna – und bat sie auf die Bühne.
00:18:31: Es wurde vollkommen still!
00:18:35: Als Erna aufstand, griff sie nach Ilsa's Hand.
00:18:40: Kommst du mit?
00:18:43: Ilsa ging mit ihr bis zu den Stufen des Pavillons.
00:18:47: Dann ließ sie sie los, Erna setzte sich zwischen die Musiker Mit ihrer Flöte.
00:19:02: Die Streicher begannen ganz leise.
00:19:11: Erna wartete.
00:19:15: Sie kannte jede Note.
00:19:17: Natürlich kannte sie jede Note.
00:19:23: dann führte sie die Flöta an die Lippen und nach über vierzig Jahren spielte sie wieder Septemberlicht, ihr Septemberlicht.
00:19:43: Nicht jeder Ton war vollkommen aber es war gut genauso wie es war.
00:20:01: als der letzte Ton verklungen war blieb es vor einem Moment vollkommen still.
00:20:10: Erna sah hinaus aufs Meer.
00:20:16: dann begann jemand zu klatschen und plötzlich standen die Menschen auf.
00:20:24: Erna blickte zu Ilsa.
00:20:27: Ilsa weinte, erna auch.
00:20:35: Sie stieg die Stufen hinunter ging zu ihr und nahm sie einfach in die Arme.
00:20:45: so standen sie zwischen all dem Menschen hielten einander fest und lachten und weinten gleichzeitig.
00:20:58: In den folgenden Wochen hatte Erna viel zu tun nicht nur mit Anwälten und Notaren.
00:21:07: Sie kaufte sich ein großes grünes Notizbuch und auf die erste Seite schrieb sie, Menschen denen ich etwas ermöglichen möchte.
00:21:23: Dann begann sie Namen aufzuschreiben eine Frau, die nach vielen Jahren noch einmal eine Ausbildung beginnen wollte.
00:21:32: Ein junger Musiker dessen Eltern kein Instrument bezahlen konnten.
00:21:39: Ein Mann der eine gute Idee hatte aber nicht genug Geld um sie auszuprobieren.
00:21:49: Eine Mutter, die mit ihren Kindern neu anfangen musste und immer wenn Erna jemandem begegnete bei dem sie dachte der könnte gerade ein bisschen Rückenwind gebrauchen kam ein weiterer Name dazu.
00:22:12: das wird ziemlich teuer sagte Ilsa.
00:22:16: irgendwann.
00:22:19: ich habe ziemlich viel Geld sagte Erna.
00:22:27: Sie unterstützte Menschen die etwas Neues beginnen wollten, Menschen, die es schwerer hatten als andere.
00:22:50: An einem der letzten warmen Abende schlossen Erna und Ilsa das Café früher.
00:22:58: Sie gingen hinunter zum Strand.
00:23:01: Der Wind war fast eingeschlafen.
00:23:08: Am hölzernen Steg angelangt setzten sie sich Und blickten aufs Meer.
00:23:17: Irgendwann nahm Erna Ilsa's Hand.
00:23:25: Sie sahen zu, wie die Sonne die Landschaft in ein warmes Gold tauchte.
00:23:34: Hinter ihnen lag der Sommer vor ihnen der Herbst und irgendwo dazwischen begann gerade etwas Neues.
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